ZUM 60. TODESTAG VON
GENERALFELDMARSCHALL ERWIN ROMMEL


Es sind 60 Jahre vergangen, seit Rommel am Samstag, den 14. Oktober 1944 gezwungen wurde das Gift zu schlucken, das seinem 53jährigen Leben ein jähes Ende gesetzt hat. Die begrüßenden Worte wird unser Ehrenvorsitzender Georg Richter sprechen. Zum Gedenken wird dann der Kommandierende General des II. (Ge/US) Korps, Generalmajor Jan Oerding seine sehr persönlichen Worte an die diesmal wohl besonders zahlreichen Teilnehmer richten. Wir „Afrikaner“ alle haben dem hohen Bundeswehroffizier, der sich spontan zur Verfügung gestellt hat, in hohem Maße zu danken. Hat er doch auch entschieden, dass außer einer Ehrenwache und dem Trompeter, der das Solo intoniert: „Ich hatt’ einen Kameraden“ diesmal das ganze Heeresmusikkorps 10 teilnimmt, dirigiert von Oberstleutnant Bruckhaus. Es wird zum feierlichen Abschluss die Nationalhymne spielen. Die Predigt, nach der Ansprache von Generalmajor Oerding, hält der Bundeswehr-Dekan Renovanz.
Die gesamte Organisationsleitung liegt in den wie immer bewährten Händen unseres Kameraden Helmut Cramer aus Biberach. Und dies hat er selbstverständlich trotz seiner äußerst schweren Erkrankung übernommen. Dafür gebührt ihm unser aller Achtung.
Doch was geschah an diesem Samstag, im Oktober vor 60 Jahren, in dem württembergischen Städtchen Herrlingen?
Der Verband hat es nicht nötig eine „schlechte Geschichte“ zu schreiben, denn er kennt die Wahrheit und scheut sich nicht, sie auch auszusprechen.
Der bekanntlich am 17. Juli 1944 bei einer Dienstfahrt an der Invasionsfront durch einen Tieffliegerangriff der Briten schwer verwundete Erwin Rommel wohnte mit seiner Familie, seiner Frau Lucie und dem Sohn Manfred, in einem schönen Haus Herrlingens. Dort sah er seiner Genesung entgegen, wenn auch die Art seiner Verwundung so ernst war, dass irgendeine Wiederaufnahme seines militärischen Dienstes nicht mehr denkbar gewesen wäre. Am Tag zuvor hatte er mit seiner Frau nach langer Zeit wieder einen großen Ausflug unternommen, der beide bis in den Allgäu führte. Als das Ehepaar abends heimkehrte, empfing Rommel eine schwerwiegende Nachricht. General Burgdorf, Chef des Heerespersonalamtes hatte angerufen mit der Ankündigung, er werde am darauffolgenden Samstag zwischen 12.00 und 13.00 Uhr in Herrlingen zu einer wichtigen Besprechung eintreffen in Begleitung eines weiteren Herren. Ohne es sich nach außen merken zu lassen, ahnte Rommel Schlimmstes.
Als am Vormittag des Samstag sein Sohn Manfred, der damals in jüngstem Alter schon Dienst bei der Heimatflak tat, im elterlichen Hause zum Wochenende eintraf, nahm ihn sein Vater beiseite und sagte, wie Manfred berichtet: „Vielleicht bin ich heute abend schon tot!“ Diese furchtbare Ahnung sollte den fast 53jährigen Marschall nicht getrogen haben.
Dann lief das entsetzliche Geschehen wie ein Uhrwerk ab:
Pünktlich um 12.00 Uhr erschien General Burgdorf in Begleitung des Generals Maisel im Hause Rommel. Nach einer förmlichen Begrüßung, die beiden Herren behielten ihre Mäntel an, und nachdem sich Lucie Rommel sofort zurückgezogen hatte, erklärte Burgdorf, er habe den Auftrag des „Führers“ Adolf Hitler, Rommel wegen seiner Beteiligung an den Vorbereitungen des Attentats vom 20. Juli aufzusuchen. Aus einem zweiseitigen Protokoll verlas dann Burgdorf mehrere Aussagen inzwischen verhafteter Widerständler, die Rommel schwer belasteten. Unmittelbar darauf stellte ihn General Burgdorf vor die Wahl: Selbstmord oder Verhandlung vor dem Volksgerichtshof! Rommel ging erregt im Zimmer auf und ab und erklärte dann: „Ich werde die Konsequenzen ziehen!“ Maisel verließ nun den Raum und Burgdorf sprach unter vier Augen zum Feldmarschall, dass er im Falle der Entscheidung für einen „Selbstmord“ eine Kapsel Zyankali bei sich habe, mit der Rommel sich das Leben nehmen könne. Geschehe dies, so werde seine Familie nicht verfolgt, könne im Hause weiter wohnen bleiben und Rommel werde „in allen Ehren" beigesetzt. Rommel hatte sich entschieden, er bat sich von Frau und Sohn verabschieden zu dürfen. Zu seiner Frau, die sich in einem Zimmer des ersten Stocks aufhielt, sagte er, eigentlich schon abwesend: „In einer Viertelstunde bin ich tot!" Danach so berichtet sein Adjutant, Hauptmann Aldinger, ging der Marschall im Erdgeschoß auf ihn zu und sprach, fast tonlos: „Aldinger, jetzt ist das Ende da..." und weiter: „...Ich fühle mich unschuldig, ich bin nicht beteiligt an dem Attentat. Ich habe in meinem ganzen Leben dem Vaterland gedient und das Beste getan. Grüßen Sie mir mein schwäbisches Volk und besonders meine lieben alten Gebirgler..." Als letztes nahm er seinen Feldmarschallstab, drückte seinem Sohn die Schlüssel in die Hand und ging zum Wagen der Generale. Er setzte sich hinten rechts in den Fond des Mercedes neben Burgdorf. Maisel saß schon neben dem Fahrer Doose, einem Angehörigen der SS. Ohne daß Rommel sich noch einmal umwandte fuhren sie los. Nach etwa einem Kilometer hatte man die letzten Häuser Herrlingens hinter sich gelassen und hielt neben einem kleinen Waldstück. Burgdorf forderte General Maisel und den Fahrer auf, den Wagen zu verlassen und dem Feldweg folgend, ein Stück Weges in Richtung des nächsten Dorfes Wipplingen zu gehen, er werde sie dann zurückrufen.
Schon nach wenigen Minuten geschah dies. Beide sahen Rommel in sich zusammengesunken leblos hinten im Wagen sitzend. Seine Mütze war heruntergeglitten. Mit hoher Geschwindigkeit ging es dann nach Ulm und zu dem dortigen Lazarett in der Wagnerschule. Die Leiche wurde in den Operationssaal getragen, wo der dort Dienst tuende Stabsarzt den Tod Rommels feststellen sollte. Burgdorf erklärte, Rommel habe auf der Fahrt eine Herzattacke erlitten. Burgdorf fuhr darauf unverzüglich zum Stadtkommandanten von Ulm und meldete telefonisch an Marschall Keitel den Vollzug seines Auftrags.
Den Totenschein ließ man, zwangsweise, mit dem erlogenen Text ausfüllen: „Herzschlag als Folge eines im Westen erlittenen Dienstunfalls".
Die Täuschung wurde konsequent fortgeführt und am 18. Oktober 1944 fand der teuflisch inszenierte Trauerakt im Ulmer Rathaus statt. Über dem auf einer Geschützlafette angefahrenen Sarg lag die Reichskriegsflagge, der Marschallstab sowie Helm und Degen. Auf einem großen Ordenskissen waren die ehrenden Insignien von Rommels irdischem Ruhm ausgebreitet.
Frau Lucie Rommel und Sohn Manfred, die ja alles wußten, saßen mit zu Stein erstarrten Mienen in der ersten Reihe. Vor sechs Jahrzehnten endete so das Schicksal unseres Oberbefehlshabers, des für uns alle unvergessenen Generalfeldmarschall Erwin Rommel.
Zur Erinnerung habe ich den Ablauf des Geschehens nur in kürzester Form schildern können. Sehr vieles mußte, obwohl mir in allen Einzelheiten durch Zeugen bekannt, ungesagt bleiben. Wir „Afrikaner" brauchen uns nicht an einer „schlechten Geschichte" zu orientieren. Von dieser gibt es heute und hierzulande genug. Wir bleiben bei der Wahrheit der Ereignisse, denn wir wissen, wer wir sind!


Hans-Günther Stark

 

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